Sojabohnen erfreuen sich heutzutage grosser Beliebtheit, denn sie sind gemessen an der Anbaufläche die viertwichtigste Kultur und die bedeutendste Ölkultur der Welt. Im Jahr 2025 betrug die biologische Sojaanbaufläche in der Schweiz 1'600 ha. Soja ist damit die wichtigste Körnerleguminose im Biolandbau.
Flächennutzung
Der biologische Sojaanbau nimmt in der Schweiz einen immer grösseren Stellenwert ein. Die Nachfrage nach biologisch produzierten Sojabohnen steigt sowohl für die menschliche Ernährung als auch für Bio-Futtersoja weiterhin an. Von diesen 1'600 ha werden ca. 700 ha zur humanen Ernährung wie zum Beispiel Tofu genutzt. An dieser Stelle gilt zu erwähnen, dass Speisesojabohnen wirtschaftlicher sind als die Produktion von Futtersojabohnen (Preis: 235.-/dt bzw. 168.-/dt). Interessierte melden sich bei der Mühle Rytz.
Import und ernährungsphysiologische Vorteile
Um der grossen Nachfrage gerecht zu werden, werden jährlich rund 15'000 t biologisches Rohprotein in Form von Soja (Sojaschrot und -kuchen) in die Schweiz eingeführt. Bio Suisse hat beschlossen, dass ab 2022 nur noch Schweizer Futter an Wiederkäuer verfüttert werden darf. Da das einheimische Eiweisskonzentrat in Knospe-Qualität knapp ist, wurde den Mischfutterherstellern erlaubt, während drei Jahren 10% (2024-2026) und in den Jahren 2027/28 5% ausländischen Knospe-Eiweisskomponenten einzusetzen. Ab nächstem Jahr und ab 2029 wird es deshalb zu einer kontinuierlich erhöhten Nachfrage nach inländischen Bio-Proteinträgern, insbesondere Soja, kommen, da die Proteinkonzentration bei Sojabohnen höher ist als bei anderen Proteinpflanzen. Sojabohnen beinhalten rund 40% Rohprotein. Sie sind damit nur mit Lupinen vergleichbar. Aufgrund der Anthraknose gestaltet sich der Anbau von Lupinen im Vergleich mit Sojabohnen schwieriger. Ackerbohnen und Eiweisserbsen weisen dagegen nur Gehalte von 30 bzw. 20 % Rohprotein auf. Um dem sehr hohen Bedarf an Futtersojabohnen gerecht zu werden, muss die Sojaanbaufläche in der Schweiz ausgedehnt werden. Andererseits kann der Anbau von Soja optimiert werden, indem ertragsreichere Sorten oder geeignetere Impfpräparate für die Stickstoffbindung eingesetzt werden, welche dem Schweizer Klima besser angepasst sind.
Sojaprotein ist ernährungsphysiologisch sehr wertvoll, da es aufgrund des hohen Gehalts an essenziellen Aminosäuren den besten biologischen Wert innerhalb der pflanzlichen Proteine für die menschliche und tierische Ernährung aufweist. Weiter ist das Protein der Sojabohnen für die Schweine- und Geflügelfütterung geeigneter und besser verdaulich als das Protein von Ackerbohnen bzw. Eiweisserbsen. Dies lässt sich am höheren Gehalt von Lysin und Methionin erklären, welche lebensnotwendige Aminosäuren sind und dadurch in der Schweine- und Geflügelfütterung essenziell sind. Aufgrund der besseren Verdaulichkeit von Sojafuttermitteln im Vergleich zu anderen proteinreichen Futtermitteln wird Sojakuchen häufig als Kraftfutter in der Wiederkäuerfütterung eingesetzt.
Agronomische Eigenschaften
Im Vergleich zu Eiweisserbsen und Lupinen weisen Sojabohnen eine deutlich bessere Selbstverträglichkeit auf. Soja bereichert die Fruchtfolge und trägt im Gegensatz zu anderen Leguminosen nicht zur Leguminosenmüdigkeit bei.
Leguminosen weisen sehr grosse Unterschiede bezüglich der Stickstofffixierung auf. Ackerbohnen und Eiweisserbsen weisen eine hohe Stickstofffixierung mit über 100 kg/ha und damit diesbezüglich einen besseren Vorfruchtwert als Sojabohnen mit einer N-Fixierung von 20 bis 40 kg/ha auf. Der Vorfruchtwert von Sojabohnen lässt sich vor allem durch die Bodenstruktur erklären und nicht durch den Stickstoff, den sie als Vorkultur der nachfolgenden Kultur überlässt. Im Gegensatz zu anderen Leguminosen haben Sojabohnen einen höheren Bedarf an Stickstoff für die Bildung der Schoten.
Sojabohnen weisen eine langsame Jugendentwicklung auf und haben während der Vegetationszeit einen hohen Wärmebedarf. Dies ist der Grund, weshalb Soja erst ab Ende April bis Mitte Mai gesät werden sollte. Ansonsten sind Frostschäden möglich und das Unkraut nimmt überhand. Sojabohnen unterdrücken das Unkraut schon grundsätzlich schlecht. Da Sojabohnen bei niedrigen Temperaturen nicht wachsen, können sie das Unkraut noch weniger gut konkurrenzieren. Sojabohnen werden in der Schweiz in den Körnermaisregionen bis zu einer Höhe von 600 m ü. M. angebaut.
Soja weist grundsätzliche eine gute Trockenheits- und Hitzeresistenz auf, jedoch ist während der Blüte der Wasserbedarf der Sojabohnen besonders hoch. Ist die Wasserversorgung während der Blütezeit und der Schotenbildung in den Monaten Juli und August nicht gewährleistet, kann es zu einem verstärkten Blüten- und / oder Schotenabfall kommen. Dies kann vor allem in leichten, kiesigen Böden mit hohem Sandanteil zum Problem werden. Um dem entgegenzuwirken, sollte bewässert werden. Dabei ist zu beachten, dass die einzelne Bewässerungsgabe auf leichten Böden nicht mehr als 30 mm und auf schwereren Böden maximal 40 mm betragen sollte.
Biologischer Sojaanbau gewinnt in der Schweiz kontinuierlich an Bedeutung. Durch den hohen Proteingehalt und das hervorragende Aminosäureprofil ist Soja sowohl für die menschliche Ernährung als auch für die Nutztierfütterung unverzichtbar. Gleichzeitig stellen die spezifischen Klima‑ und Wasseranforderungen Herausforderungen dar, die durch gezielte Sortenentwicklung, optimierte Stickstoffinokulation und ein durchdachtes Fruchtfolge‑Management gemeistert werden können. So wird die Sojabohne auch künftig eine zentrale Rolle im Schweizer Biolandbau spielen.