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Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg
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Stoppelfelder mulchen statt bearbeiten – Lehren aus dem trockenen Sommer

Der Sommer 2026 stellte die Schweizer Landwirtschaft vor beispiellose klimatische Bedingungen. Infolge längerer Hitzeperioden, überdurchschnittlich hohen Tagestemperaturen und einer stark reduzierten Niederschlagsmenge im Juli gestalteten sich sowohl die mechanische Stoppelbearbeitung als auch die Produktion von ausreichend Futtermaterial für die Wiederkäuer als grosse Herausforderungen. Während die traditionellen Verfahren wie Stoppelbearbeitung nach leichten Regenfällen, frühzeitige Aussaat von Zwischenfrüchten und Kunstwiese sowie die Beweidung oder Schnittnutzung in den Vorjahren zuverlässig funktionierten, konnten mehrere dieser Massnahmen nicht umgesetzt werden.

Ausfall der Sommer-Stoppelbearbeitung 2026

Im Biolandbau dient die Stoppelbearbeitung primär dem mechanischen Unkrautmanagement. Nach der Ernte verbleiben auf den Böden zahlreiche Wurzelunkräuter, insbesondere Blacken, Ackerkratzdisteln und Winden – die sich aufgrund der tiefen Wurzeln schwer bekämpfen lassen. Durch regelmässige Unkrautkuren wie z.B. durch eine Federzinkenegge können diese Unkräuter wirksam bekämpft werden. Im Juli 2026 war der Boden in weiten Teilen der Schweiz staubtrocken, was sowohl das Eindringen der Arbeitsgeräte als auch das spätere Keimen von Unkrautsamen praktisch verhinderte. Vor diesem Hintergrund erwies sich eine klassische Sommer-Stoppelbearbeitung als unnötig. Bei noch nicht gekeimten Ausfallrapssamen wird durch das Auflockern der Stoppel riskiert, diese in den Boden zu verstreuen. Als Folge davon kann Ausfallraps während der gesamten Fruchtfolge keimen. Das Mähen oder Mulchen von Raps- und Getreidestoppelfeldern war dieses Jahr vorteilhaft, um einerseits bereits gekeimte Unkräuter am Versamen zu hindern und andererseits die Verrottung der Stoppeln zu fördern, damit diese bei der Anlage einer Kunstwiesenmischung nicht im Futter stören.

Die Erfahrung zeigt, dass ein gezielter Verzicht auf die Sommer-Stoppelbearbeitung in trockenen Jahren nicht nur das Risiko einer Unkrautverbreitung reduziert, sondern gleichzeitig Spielraum für alternative Boden- und Futterstrategien schafft. Trotzdem muss der Bekämpfung von Wurzelunkräutern besondere Beachtung geschenkt werden.

Direktsaaten erweisen sich besonders in trockenen Jahren als kostengünstig und risikoarm. Sie erfordern keine vorbereitende Bodenbearbeitung, minimieren den Wasserverlust durch reduzierte Bodenerosion und ermöglichen ein zügiges Auflaufen der Pflanzen.

Wie kann ich die Futterproduktion optimieren?

Die Kernfrage lautet: Wie kann die vorhandene "Restfeuchte" optimal genutzt werden, um ausreichend Futtermaterial zu produzieren? Die Antwort liegt normalerweise in einer konsequent frühen Aussaat, idealerweise erfolgt die Zwischenfrucht- oder Kunstwiesensaat noch am Erntetag oder spätestens zwei bis drei Tage danach. Im Sommer 2026 war dies aufgrund der ausbleibenden Regenfälle nur eingeschränkt möglich.

Folgende Komponenten sind für die Futterproduktion geeignet:

- Als Herbstgrasig: Wick-Hafer-Gemenge, Alexandriner-Perserklee-Raigras-Mischung, Grünschnittmais, Sudangras und Sorghum. Bei rapsfreien Fruchtfolgen empfiehlt sich, einen Teil der Fläche mit problemlos auflaufenden und günstigen Kreuzblütlern wie Futterraps oder Markstammkohl anzusäen.

- Diverse Kunstwiesen: können nach dem 15. August gesät werden, wenn die Wahrscheinlichkeit von späten Trockenperioden gering ist. Die kürzeren Tage sowie die abnehmende Hitze reduzieren das Risiko einer Austrocknung. Mehrmalige Säuberungsschnitte (2-3 Schnitte im Herbst) aufgrund fehlender Stoppelbearbeitung verhindern das Aufkommen von Unkräutern und erhöhen die Futterqualität.

Optimierung der Verfütterung von Wiesenfutter

Um die Wintervorräte zu schonen, empfiehlt es sich, im Herbst die Verfütterung von Wiesenfutter so lange wie möglich zu verlängern und im Frühjahr den Beginn der Grünfütterung so früh wie möglich anzusetzen. Voraussetzung dafür ist eine gute Bereifung zum Eingrasen und eine schonende Beweidung.

Der Sommer 2026 hat deutlich gemacht, dass die Schweizer Landwirtschaft flexibel auf extreme Wetterlagen reagieren muss. Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

- Stoppelbearbeitung kann bei ausbleibendem Regen entfallen. Der Verzicht spart Diesel ein. Stattdessen sollten Raps- und Getreidestoppelfelder gemäht oder gemulcht werden.

- Grundsätzlich frühzeitige Aussaat der Zwischenkultur oder Kunstwiesen. Falls das nicht möglich ist, Einsaat nach dem 15. August in Betracht ziehen, da das Risiko von späten Trockenheitsschäden gering ist.

- Grünfutterstrategien müssen überdenkt werden. Sobald der Boden feucht genug ist, bietet jede Lücke in der Fruchtfolge Platz für eine Herbstgrasig oder ein überwinterndes Zwischenfutter. Die Direktsaat ist günstig und garantiert ein zügiges Auflaufen.

Metzger David

Bio-Pflanzenbau und Boden / Düngung

David Metzger
062 855 86 85 david.metzger@ag.ch
Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg
Liebegg 1
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