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Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg
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September-Pflegeset für Wiesen

Wiesenpflege Übersaat Striegel

Die feuchte letzte Augustwoche lässt das Gras wieder ergrünen: Viele Wiesen schlagen wieder aus, Grassamen keimt und Jungpflanzen spriessen. Auf lückigen, verfilzten Natur- und alten Kunstwiesen zeigen sich immer mehr Hirsen, Blacken und andere Lückenfüller. Wie sie diese in den Griff bekommen und ihre Wiesen im Schuss halten erfahren Sie hier.

Lückenfüllern an den Kragen

Nach der vergangenen Hitzeperiode haben Lückenfüller auf Wiesen mit Trockenheitsschäden ein leichtes Spiel. Davon betroffen sind vor allem südexponierte Wiesen mit Italienischem Raigras, verfilzte Weiden, alte Kunstwiesen und Wiesen mit Mäuseschäden. Hier keimen sie nun oder füllen die Lücken mit ihren oberirdischen Ausläufern. Dazu gehören viele Kräuter wie der Löwenzahn, Hahnenfussarten, Ackerunkräuter und Hirsen. Die Blutfinger- und Hühnerhirse sowie die gefürchtete Borstenhirse wintern zwar aus, konkurrenzieren aber die Futtergräser und versamen enorm. Mit einem bis zwei Striegelstrichen dünnt man die jungen Hirsen aus und übersät die Wiese mit der passenden Mischung. Auf nicht befahrbaren Weiden lässt man die Hirsen jung abfressen, übersät eine Koppel und bestosst sie mit leichten Tieren für weitere paar Tage, um den Samen anzudrücken.

Guter Moment für die Blackenbekämpfung

Blacken haben keine Mühe mit der Sommertrockenheit und schieben munter ihre Blütenstände. Wer diese vor der Samenreife schneidet und entsorgt, kann sich glücklich schätzen. Im September kann man aber aufs Ganze gehen und diese ausstechen oder chemisch behandeln. Für die Einzelstockbehandlung inkl. detektionsbasierte Applikation eignen sich vor allem Ally Tabs und Simplex. Für die Flächenbehandlung von etablierten Blacken zeigt Harmony die anhaltendste Wirkung. In neu angesäten Kunstwiesen können im Dreiblattstadium von Klee MCPB- oder MCPB/MCPA-Mittel eingesetzt werden. Luzerne erträgt zwar die Trockenheit – und wird deshalb dieses Jahr häufig gesät – wird durch das erwähnte Mittel aber zu stark geschädigt. Für diese Kunstwiesen bleiben einzig die mechanische Unkrautkur, die Einzelstockbekämpfung und die vorbeugenden Massnahmen als Option.

Samensprösslinge der Futterpflanzen schonen

Mit Blick in die Bestände stechen die vielen jungen Gräser ins Auge, welche am Fusse noch den Samen der Mutterpflanze tragen. Meist handelt es sich um das Italienische Raigras, welches auch im Sommer die Ähren schiebt und mit sechs Wochen die Samenreife erlangt. In Wiesen, welche in der letzten Augustwoche übersät wurden, keimen bereits der Klee und die Gräser. Solche Sprösslinge sind in der Lage, havarierte Bestände vollständig zu erneuern. Ihnen muss einzig bei der nachfolgenden Bewirtschaftung Sorge getragen werden. Viel Stickstoff und dicke, ätzende Gülle sind zu vermeiden. Eine frühe erste Nutzung verschafft ihnen das nötige Licht. Diese erfolgt am besten bei guten Bodenverhältnissen und schonender Bereifung mittels Eingrasen, Silieren oder sorgfältiger Beweidung.

Übersaaten im September am erfolgreichsten

Wo immer Lücken zu füllen sind oder gezielt Futterpflanzen gefördert werden sollen, welche dem Standort und der Bewirtschaftung besser entsprechen, führen wiederholte September-Übersaaten zum Erfolg. Nach der zweimonatigen Hitzeperiode ist die Konkurrenz durch den Altbestand und die Filzgräser gering, die Temperaturen und die Niederschläge für die Keimung und Entwicklung der Jungpflanzen optimal. Je nach Ausgangssituation eignen sich verschiedene Vorgehensweisen. Muss in den Wiesen auf Jungpflanzen von versamten Horstgräsern Rücksicht genommen werden, eignen sich die Direktsaatgeräte. Diese verschonen die zarten Sprösslinge, durchschneiden auch leichten Filz und platzieren den Samen in keimsicherer Tiefe von ca. 1.5 cm. Ansonsten empfehlen sich alle Übersaatgeräte, welche den Samen womöglich leicht in den Boden einarbeiten. Allfälliger Filz wird zuvor mit einem Striegel aufgerissen und nötigenfalls abgeführt wird, damit der Samen präzies abgelegt und die Keimpflanzen konkurrenzfrei auflaufen können. Diesen Sprösslingen muss wie oben erwähnt bei der nachfolgenden Bewirtschaftung Sorge getragen werden.

Totalerneuerung über eine verkürzte Fruchtfolge

Sackgassbestände und alte Kunstwiesen werden besser gleich neu angesät. Am besten gelingen dies nach ein bis zwei Ackerkulturen. Dadurch entsteht ein feineres, besser abgesetztes Saatbeet und der Unkraut- und Schädlingsdruck nimmt deutlich ab. Eine Ansaat nach Getreide ist problemlos, da die Wiesen gestärkt in den Winter gehen, einen ausgewogenen Gras- und Kleeanteil aufweisen und nötigenfalls gegen Blackensämlinge behandelt werden können. Erfolgt die Ansaat nach Silomais, muss dieser das Feld bis anfangs, spätestens Mitte September räumen, damit der Kleeanteil nicht zu gering wird und die Blackensämlinge sich noch zuverlässig behandeln lassen. Silomais muss in einem solchen Fall frühzeitig gesät werden und je nach Lage auf früh- bis mittelfrühreife Sorten gesetzt werden. Soll eine solche Kunstwiese wieder in eine Naturwiese überführt werden, braucht es nicht nur die passende Mischung, sondern auch eine angepasste Bewirtschaftung, bei welcher der Regeneration der Bestände die nötige Beachtung geschenkt wird. Wer zudem über die Verunkrautungsursache ins Klare kommt, kann auch die nötigen Gegenmassnahmen treffen. Tauschen Sie sich dazu mit ihren Berufskollegen aus und nehmen sie mit Futterbauberatern Kontakt auf.

> Tipps für erfolgreiche Übersaaten
> Merkblatt Mischungswahl Kunstwiesen
> Problempflanzen des Grünlands

Schmid Herbert

Futterbau und Futterkonservierung

Herbert Schmid
062 855 86 53 herbert.schmid2@ag.ch
Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg
Liebegg 1
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