zur Startseite zur Hauptnavigation zum Hauptinhalt zum Kontaktformular
Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg
Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg
Zurück

Agroforst: Gehölze helfen gegen Hitze und Trockenheit

Agroforst: Gehölze helfen gegen Hitze und Trockenheit

Landwirtschaftsbetriebe und Winzer, die sich für Agroforst entscheiden, nutzen die positiven Eigenschaften von Bäumen und Sträuchern, um ihre Produktion an den Klimawandel anzupassen. Die Bepflanzung mit Gehölzen schützt den Boden vor Erosion und Trockenheit. Ebenso verbessern Bäume und Sträucher das Mikroklima in den Kulturen, insbesondere an Hitzetagen.

Der Begriff «Agroforst» bezeichnet die Kombination von Bäumen oder Sträuchern mit landwirtschaftlichen Unterkulturen auf derselben Fläche. Möglich ist eine Kombination mit Ackerbau, Gemüse- und Beerenanbau, Reben, anderen Spezialkulturen, Futterbau oder Weidehaltung. Die Gehölze sind typischerweise in Reihen gepflanzt, damit dazwischen eine Bewirtschaftung mit den gängigen Landwirtschaftsmaschinen möglich ist.

Im Rebbau ist für die Kombination mit Bäumen auch der Begriff «Vitiforst» gebräuchlich.

Mit dem Klimawandel nehmen Wetterextreme zu. Bei Starkniederschlägen schützen die Baumstreifen den bearbeiteten Boden vor Erosion. Auch die Nährstoffe aus Düngemitteln, die sich bei anhaltenden Regenfällen in tiefere Bodenschichten verlagern, werden von den Baumwurzeln aufgenommen und ins System zurückgeführt. Das schützt das Grundwasser.

Beispiele für Agroforst und Vitiforst im Aargau

FB_190326_Agroforst_Treier

Baumreihen mit Biodiversitätselementen auf Acker- und Weideflächen

Rolf Treier, Bözberg

Familie Treier hält Schottische Hochlandrinder und Shropshire-Schafe in Gipf-Oberfrick und auf dem Bözberg. Betriebsleiter Rolf Treier arbeitet im Hauptberuf als Förster. Ihm ist es ein Anliegen, Wald- und Offenland zu verbinden: mit Agroforst

Mehr dazu im Interview!

Video «Wald & Tier - Äbertsmatt Bözberg»

FB_190326_Agroforst_Adler

Nutzhecken zur Förderung des Tierwohls

Pirmin Adler, Oberrüti

Familie Adler in Oberrüti pflanzte auf ihren Weideflächen mehrere Nutzhecken von insgesamt einem Kilometer Länge. Die Gehölze liefern Futter für die Mutterkühe und Frischzweighäcksel als Einstreu. Den Freiland-Poulets bieten die Sträucher Deckung.

Mehr dazu im Interview!

Video «Agroforst auf dem Hof Adlerzart Oberrüti»

FB_190326_Agroforst_Wüthrich

Gehölzfutter auf der Ziegenweide

Karin und Thomas Wüthrich, Elfingen

Karin und Thomas Wüthrich bewirtschaften ihren Betrieb in Elfingen mit Milchziegen, Mutterkühen und Pferden. Auf einem Südhang pflanzt das Paar Futterhecken für die Ziegen, kombiniert mit Bäumen und Biodiversitätselementen.

Mehr dazu im Interview!

Video «Futterhecken auf dem Ziegenhof Elfingen»

FB_190326_Agroforst_Hauksson

Rebbau in Kombination mit Bäumen und Sträuchern

Hoss Hauksson, Rüfenach

Der Demeter-Weinbauer Hoss Hauksson betreibt Vitiforst – er kombiniert seine Reben mit Bäumen, Sträuchern und Kräutern. Hasel und Speierling werden zu natürlichen Rankhilfen für die Reben ausgebaut. Obstbäume und Beerensträucher schaffen ein halboffenes Waldklima, was dem ursprünglichen Lebensraum der Reben entspricht.

Mehr dazu im Interview!

 

Weitere spannende Informationen

Die Gründigkeit des Boden ist für Agroforstanlagen auf Ackerland ein zentrales Kriterium und ausschlaggebend für den Erfolg. Für Agroforst geeignete Böden sind bis tief in den Unterboden durchwurzelbar. Ist der Boden sehr flachgründig, zum Beispiel auf felsigem Untergrund, besteht die Gefahr des Windwurfs.

Ackerflächen mit intaktem Drainagesystem sind nicht geeignet. Hier würden die Baumwurzeln im Laufe der Zeit in die Drainageröhren einwachsen und diese zerstören. Aber auch staunasse Parzellen eignen sich nicht, daneben auch frostgefährdete Lagen in Senken oder an Stellen, wo die kalte Luft nicht abfliessen kann.

In Ackerbau-Agroforst-Systemen wird mit einem Baumbestand von ca. 50 Bäumen/ha gerechnet. Die empfohlene Breite der Ackerflächen zwischend den Baumstreifen beträgt 24 m (Übereinstimmung mit den Breiten der gängigen Ackerbaumaschinen). Die Baumstreifen sind in der Regel 2 m breit. Die Baumabstände in der Reihe betragen in Abhängigkeit der Baumart 8 - 12 m.

Will man die Agroforstanlage nach DZV als Hochstamm-Obstgarten mit Qualität anmelden, dann darf der Abstand zwischen den einzelnen Baumreihen max. 30 m betragen.

Die empfohlene Baumdichte in Agroforstsystemen mit Wiesland oder Weide als Unternutzen ist in der AGRIDEA-Hochstammbroschüre dargestellt. Sie richtet sich nach der maximal möglichen Baumdichte zum Bezug von Beiträgen.

Bei Vitiforst-Systemen im Rebbau sind Abstände zwischen den Baumreihen von 24 m bis 30 m empfohlen. Von der Baumreihe zur ersten Rebe sollte ein Abstand von 3 m bis 4 m eingehalten werden.

Idealerweise werden die Baumstreifen quer zum Gefälle und in Nord-Südrichtung gepflanzt. Die Nord-Süd-Ausrichtung hat den Vorteil, dass der Schatten in den Baumstreifen selbst fällt, wenn der Sonnenstand am höchsten ist (Mittagszeit). Pflanzt man die Bäume in Ost-Westrichtung, werden die Unterkulturen deutlich stärker beschattet. Das Kriterium "quer zum Gefälle" ist zwecks Erosionsschutz höher zu gewichten, als das Vermeiden von Beschattung.

Für Agroforst eignen sich die klassichen Hochstamm-Obstbaumarten, sowie Nussbäume und Edelkastanien. Bei der Kombination mit Ackerkulturen, sollten Baumarten gewählt werden, deren Früchte später geerntet werden als die Ackerkultur.

Auch Wildobstarten, wie Speierling, Elsbeere, Vogelkirsche, Wildapfel, Wildbirne und Maulbeerbaum sind in Agroforst-Systemen interessant. Sie liefern gesuchtes Wertholz. Die Früchte lassen sich zu Spezialitäten verarbeiten. Wildobstbäume gelten nach der Direktzahlungsverordnung ebenfalls als Hochstamm-Obstbäume (sofern sie entsprechend ergzogen sind) und sind somit beitragsberechtigt. Eiche, Ahorn oder Linden eignen sich ebenso für die Wertholzgewinnung, sie sind jedoch nicht beitragsberechtigt.

Für die Pflanzung in Rebflächen sind konkurrenzschwache, licht belaubte Bäume und Sträucher geeignet. Typische Baumarten im Vitiforst sind Kopfweiden, Pflaume und Mirabelle, Weinbergpfirsich, Aprikose, Granatapfel, Maulbeer- und Mandelbäume.

Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg
Liebegg 1
5722 Gränichen, CH
062 855 86 55
info@liebegg.ch