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Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg
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Finanzen im Griff haben bei Trockenheit und Nässe

Sommer 2026

Trocken, trocken, trocken – so lässt sich dieses Jahr bis jetzt ziemlich gut zusammenfassen. Damit Jahre wie diese mit schwachen bis ausfallenden Ernten oder teuren Futterkäufen von einem Betrieb gemeistert werden können, braucht es überlegtes Handeln und eine durchdachte Planung der Investitionen jetzt und in naher Zukunft. Wenn Sie Unterstützung oder ein offenes Ohr benötigen, melden Sie sich bei uns.

Zahlungsfähig bleiben – wie mache ich das?

  • Die monatlichen Einnahmen und Ausgaben im Griff haben. Die Gegenüberstellung beispielweise im E-Banking gibt einen Überblick, in welcher Zeit ein Liquiditätsengpass passieren könnte. Es lohnt sich, dazu eine Investitionsplanung zu machen und sich gut zu überlegen, ob und wann welche Maschinenanschaffungen und Gebäudesanierungen angestrebt werden können.
  • Ruhe bewahren und rechtzeitig mit den Kreditoren sprechen. Viele Firmen sind mit den Herausforderungen der Landwirtschaft vertraut und bieten Hand für Lösungen wie Aufschub, Ratenzahlung oder Teilanzahlung. Wichtig ist proaktives Handeln, damit die Kundenbonität nicht verschlechtert wird.
  • Im Notfall muss neues Kapital beschafft werden für die Ablösung kurzfristiger Schulden, siehe Finanzhilfen unten.
  • Reserve einplanen für unerwartete Ausgaben oder Einnahmeausfälle (Höhe ist betriebsindividuell siehe unten).

Liquidität

Der schnellste und einfachste Überblick zu Ihrer aktuellen Liquidität erhalten Sie in Ihrem E-Banking-Konto. 

Einerseits kann der laufende Kontostand und andererseits die Ausgaben und Einnahmen pro Monat abgelesen werden. Ziel muss sein, früh genug zu erkennen, wenn zu wenig flüssige Mittel vorhanden sind. Zu spät ist es, wenn erste Rechnungen nicht mehr fristgerecht bezahlt werden können!

Faustregeln Liquiditätsreserve (Quelle: Marco Senn, Bereichsleiter Treuhand, SBV)

  • Ein Ackerbau-, Gemüsebau-, Obstbaubetrieb muss den Totalausfall einer Ernte, zusammen mit der Versicherungsentschädigung, überbrücken können.
  • Ein Milchwirtschaftsbetrieb soll bis zu drei Monaten ohne Milchgeld auskommen (Milchliefersperre, Krankheiten etc.).
  • Ein Mastbetrieb (Schweine, Poulets, Kälber) muss einen Ausfall eines Mastumtriebes, zusammen mit der Versicherung, stemmen können.
  • Bei Krankheit oder Unfall des Betriebsleiters muss, bis das Taggeld einsetzt, eine Betriebshilfe finanziert werden können.

Finanzhilfen

Wenn die finanzielle Situation prekär ist und ein Liquiditätsengpass vorhanden oder absehbar ist, muss möglichst schnell eine Überbrückung gefunden werden. Es ist wichtig, dass die Kreditgeber frühzeitig angefragt werden und die Kredite auch vertraglich gut abgesichert sind (vor allem bei Privatdarlehen). Folgende Überbrückungen können angefragt werden:

- Stundung von Rückzahlungen oder Aussetzen von Zinszahlungen (diverse Gläubiger)

- Betriebshilfedarlehen der ALK

- Aufstockung Hypothek (Bank)

- Kontokorrentlimite bei der Bank beantragen

- Privatdarlehen

- Stiftungen

Finanzplanung

Die Planung der Liquidität und der Investitionen hat einen grossen Einfluss auf die finanzielle Situation auf einem Landwirtschaftsbetrieb. 

Es lohnt sich, die Einnahmen und Ausgaben regelmässig zu überprüfen und die Situationen mit Engpässen zu kennen. Daraus kann eine Liquidationsplanung für kleine Ausgaben und Investitionen und dann eine Investitionsplanung für grössere Investitionen erstellt werden. Wenn diese Pläne laufend aktuell gehalten werden, können rechtzeitig Massnahmen eingeleitet werden, wie beispielsweise der Aufschub einer Investition. Allenfalls lohnt es sich, für diese Planung eine externe Beratungsperson beizuziehen. Melden Sie sich ungeniert bei uns.

Kurzarbeit

Kurzarbeit kann nur aufgrund der wirtschaftlichen Lage oder aufgrund behördlicher Anordnung (bei Corona) angemeldet werden. Es gibt aktuell keine gesetzliche Grundlage für Kurzarbeit aufgrund der Wetterthematik für die Landwirtschaftsbranche. Daher lohnt es sich nicht, als Landwirtschaftsbetrieb Kurzarbeit anzumelden. Dies, obwohl viele Landwirtschaftsbetrieb wohl die Anforderungen aus arbeitsrechtlicher Sicht erfüllen würden. Es bräuchte einen politischen Vorstoss, damit die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden können.

Augen auf beim Raufutterkauf

Achten Sie beim Raufutterkauf auf seriöse Angebote (Preis, Kontaktdaten, Zahlungsmodalitäten etc.). Seit August 2026 ist die nationale Raufutterbörse, organisiert vom Maschinenring, online. Diese bringt Anbietende und Nachfragende aus der ganzen Schweiz zusammen. 

Bäuerliches Sorgentelefon

Die herausfordernde Situation mit dem Wetter, der Futterknappheit und allenfalls der finanziellen Lage beschäftigt viele und kann auf das Gemüt schlagen. Es hilft, mit Freunden, Berufskollegen oder anderen Menschen über die Situation zu sprechen. Wenn Sie in Ihrem Umfeld gerade keine Ansprechperson wissen, empfehlen wir Ihnen das bäuerliche Sorgentelefon.

Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg
Liebegg 1
5722 Gränichen, CH
062 855 86 55
info@liebegg.ch