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Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg
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Denis Häfliger: Ein Einblick in sein Kälbermanagement

Ein guter Start ins Leben ist bei Mutterkuhkälbern ebenso entscheidend wie bei Milchviehkälbern. Umso gesünder die Jungtiere sind, desto besser sind deren Zunahmen und Entwicklung. Natura-Beef-Produzent Denis Häfliger aus Oberentfelden gibt einen Einblick in sein Kälbermanagement. Der Betriebsleiter setzt auf F1-Muttertiere aus Weidegenetik. Zu finden sind in seinem Stall Kreuzungen wie Jersey x Limousin, Simmental x Jersey oder Kiwicross x Angus. In der Herde läuft ein Limousin Stier. Durch die gute Laktationspersistenz und die hohen Milchgehalte der Muttertiere lässt sich laut Häfliger eine frühe Fettabdeckung der Beefs besser erreichen und zugleich die Fleischausbeute erhöhen. "Nicht das Lebendgewicht, sondern die Schlachtausbeute ist für mich entscheidend", so der Meisterlandwirt. Die Kälbergesundheit steht für ihn an oberster Stelle, zumal die leichten Muttertiere zugleich leichte Kälber zur Welt bringen, die laut Häfliger weniger robust sind als schwerere Kälber von anderen Kreuzungen.

Muku 1

Acht Wochen Galtzeit für eine optimale Erholung

Der Grundstein für einen guten Start ins Leben wird bereits vor der Geburt mit der Galtzeit gelegt. Auf dem Zelgenhof wird eine Galtzeit von acht Wochen angestrebt. "Das Euter soll sich bis zur nächsten Abkalbung komplett zurückbilden und die Kuh soll frisch aufeutern", erklärt Denis Häfliger.  Wichtig sei zudem, dass die Kühe in der Galtphase nicht von anderen Kühen oder Kälbern besaugt werden - "Sonst bringt alles andere nichts", sagt Häfliger.

Die Fütterung der Galtkühe erfolgt ausschliesslich mit Ökoheu und Weidegras während der Vegetationszeit. Um fütterungsbedingte Durchfälle bei den Kälbern zu verhindern wird den Kühen bis drei Wochen nach dem Abkalben weder Mais- noch Grassilage gefüttert. Ein Galtmineralstoff steht den Tieren ad libitum zur Verfügung. Alle Rinder werden trächtig zugekauft und sollten 10 Wochen vor dem Abkalbetermin bei den Galtkühen integriert sein. Diese Rinder erhalten vor der Abkalbung einen Langzeit Mineralstoffbolus. Neben dem normalen Mineralstoff (ad libitum) füttert Häfliger den Tieren in der Start- und Produktionsphase ein Mineralfuttermittel nach Kundenmischung mit Biotin, Vitamin A, D3, E, sowie Zink und Selen für eine verbesserte Klauengesundheit und Fruchtbarkeit.

Regelmässige Stallreinigung gegen Erreger

Zwischen zwölf und vier Wochen vor dem errechneten Abkalbetermin werden alle Kühe mit zwei Mutterschutzimpfungen (Rotavec – Corona und Cryptium) geimpft. Hat eine Kuh mehrere Wochen danach noch nicht gekalbt, impft Denis Häfliger teilweise erneut. "Das ist es mir wert", sagt er überzeugt. Im September bis Mitte November führt er eine Abkalbepause durch. Die Zeit, in der der Gust- und Abkalbestall leer steht, nutzt er, um diesen auszumisten, zu reinigen und zu desinfizieren. Weiter hilft der Abstand ohne frisch geborene Kälber einen Unterbruch in die ständige Erreger-Übertragung zu bringen. Zur Desinfektion verwendet er das Mittel Neopredisan. Laut Hersteller bekämpft das Präparat ausgeschiedene Endoparasiten wie Wurmeier, Kokzidien und Cryptosporidien, sowie deren Dauerstadien und reduziert das Infektionsrisiko. Zusätzlich zur Reinigung im Herbst mistet, reinigt und desinfiziert er den Stall jeweils nach acht bis zehn  Abkalbungen. Die Wände des Stalls sind beschichtet, das vereinfacht die Reinigung und reduziert die Ansammlung von Erregern in kleinen Ritzen. Dank der regelmässigen Reinigung, Desinfektion und Mutterschutzimpfung habe er den Cryptosporidiendruck gut im Griff. "So bringe ich nach jeder Reinigung fünf bis sechs Kälber durch, ohne dass sie je an Durchfall erkranken", so der Meisterlandwirt.

Ein Solarium wie bei den Pferden

Nach der Abkalbung legt Denis Häfliger die frisch geborenen Kälber in ein sogenanntes Kälbersolarium, das in der Ecke der Abkalbebox platziert ist. Die kurzwelligen Infrarotstrahlen des Typs IR-A sollen die neugeborenen Kälber trocknen, sowie den Stoffwechsel und die Muskulatur der Neugeborenen anregen. "Hat man den Kälbern einmal die Wärme gezeigt, ziehen sie sich danach selbstständig ins Iglu zurück", erklärt er. Damit die Kälber dennoch regelmässig beim Muttertier ihre Milch abholen, steuert er das Solarium über eine Zeitschaltuhr. Zentral ist auch eine genügende Versorgung mit Kolostrum in den ersten Lebensstunden. Für den Notfall hat der Landwirt Kolostrum von älteren Kühen, die schon länger im Stall sind eingefroren. Bei Kälbern die sichtbar zu wenig oder ungenügendes Kolostrum aufgenommen haben, (bsp. Frühgeburt durch eine Blauzungenerkrankung) verabreicht er mit ein wenig Wasser verdünnt Localim, ein Konzentrat aus natürlichen Immunglobulinen für Kälber. Vom Drenchen ist der Betriebsleiter kein Fan. "Wenn das Kalb nicht säuft, dann hat das meist einen Grund", erklärt er. Dann verabreicht der Betriebsleiter Entzündungshemmer, ein Vitaminpräparat, Eisen und Selen sowie eine energiehaltige Elektrolyte unter dem Solarium im Iglu. Die allermeisten Kälber holen sich dann innnert 6 Stunden nach der Geburt mit ein wenig Hilfe das Kolostrum selber bei der Mutter.  Sind die Kälber nach der Geburt trocken wird ihnen in der Winterperiode ein Kälbermantel angezogen. Im Winter tragen sie diesen teilweise bis sie mit drei Wochen in die Herde wechseln. Um mögliche Erreger abzutöten werden die Kälbermäntel nach jedem Kalb mit 90°C gewaschen.

 

Kälbersolarium mit Kuh komprimiert3

Nach zwei Tagen wechseln die frisch geborenen Kälber mit den Müttern in das Abteil nebenan, um den Erregerdruck in der Abkalbebox möglichst gering zu halten. Hier können sich die Jungtiere in den mit Seitenwänden versehenen windgeschützten Kälberschlupf zurückziehen. Bereits ab dem ersten Lebenstag steht den Jungtieren Heu und ein Kälbermüesli (Kundenmischung) aus Maisflocken, gequetschtem Getreide und Pellets aus Weizenkleie und Apfeltrester zur Verfügung. Letztere sollen durch ihre diätischen Eigenschaften Durchfälle vorbeugen. Im Winter bis im April geborene Kälber impft der Betriebsleiter im Alter von ca. sieben Tagen intranasal mit dem Rispoval Impfstoff gegen Kälbergrippe.

Kälberschlupf

Lungen- und Nabelentzündungen sind kaum ein Thema

Lungen- und Nabelentzündungen kommen auf dem Betrieb seit dem Einzug in den Abkalbestall (2023) und des konsequenten Managements so gut wie nicht mehr vor. Auch Durchfallerkrankungen habe er deutlich reduzieren können. Dank der Hygienemassnahmen und der Mutterschutzimpfung habe er die Kryptosporidien gut in den Griff bekommen. "Wenn noch ein Kalb an Durchfall leidet, dann ist dieser meist durch Rotaviren verursacht. Die Erkrankung ist dann praktisch immer auf eine ungenügende Kolostrumversorgung zurückzuführen", erklärt er. Erkennen liesse sich dieser Durchfall durch die schleimige Kotkonsistenz. Hier setzt der Betriebsleiter auf Kohlepaste und Bi-Pill. "Empfohlen wird pro Milchmahlzeit eine Bi-Pill, das sind dann also etwa acht Stück an einem Tag, bei sehr akutem Durchfall", erklärt Häfliger.

 

Autorin: Flurina Monn, flurina.monn@ag.ch, 062 855 86 76

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