Herausforderung Winterfütterung - mit Stroh die Futterrationen strecken
Noch nie seit Messbeginn fiel in der Schweiz bis Mitte August so wenig Niederschlag wie in diesem Sommerhalbjahr. Verschärft wurde die langanhaltende Trockenheit zusätzlich durch die Hitzewelle. Die Weiden glichen / gleichen vielerorts mehr einer Steppenlandschaft als einem Grasbestand. Bereits mitten im Sommer waren viele Mutterkuh-Betriebe gezwungen auf die Winterfütterung im Stall umzustellen. Dies wiederum lässt die Futterlager deutlich schrumpfen. Die Regenfälle von letzter Woche lassen hoffen, dass wenigstens im Herbst ein Teil des fehlenden Futters noch eingeholt werden kann. Zudem konnte vielerorts Zwischenfutter anstelle einer Gründüngung gesät werden, was den Herbstfutter-Ertrag erhöhen wird. In Zusammenarbeit unter Landwirtschaftsbetrieben wurden Fruchtfolge-anpassungen vorgenommen und die eine oder andere Kunstwiese wurde anstelle einer Ackerkultur angebaut. Die tatsächlich fehlende Futtermenge ist dadurch noch schwer abzuschätzen. Auch der Futterzukauf im In- und Ausland erweist sich als schwierig, da die Trockenheit auch unsere Nachbarländer nicht verschont hat.
Dank einer qualitativ und mengenmässig guten diesjährigen Getreideernte kann bei knappem Raufutterangebot eine Streckung der Mutterkuh-Ration mit Stroh und eine gleichzeitige Erhöhung des Maissilage-Anteils in der Ration eine Alternative bieten. Dabei gilt es allerdings einige Punkte zu beachten. Allgemein gilt es nur einwandfreies, qualitativ gutes Stroh zu verfüttern.
- Zur Vermeidung einer Futterselektion sollte das Stroh auf eine Länge zwischen 2 bis maximal 5cm geschnitten werden.
- Zur Erhöhung der Schmackhaftigkeit und zur zusätzlichen Lieferung von Energie kann Melasse in die Ration gemischt werden. Der Anteil sollte dabei allerdings nicht über 10% liegen.
Achtung: Melasse enthält viel Kalium, was das Risiko von Milchfieber nach der Abkalbung erhöhen kann (Tiere mit einem erhöhten Risiko, bspw. aufgrund des Alters erfordern besondere Aufmerksamkeit)
- Rohproteinversorgung nicht ausser Acht lassen. Sowohl Stroh als auch Silomais weisen tiefe Rohproteingehalte auf. Ohne Beimischung eines Proteinkomponenten geraten die Tiere in ein Defizit. Die Menge eines Ausgleichfutters soll mittels Fütterungsplan berechnet werden – dabei gilt es das Kosten-Nutzen-Verhältnis stets im Blick zu halten. Ein Protein-Manko hat zum einen Folgen auf die Effizienz der biologischen Verdauung, sowie auf die Milchleistung der Kühe und somit auf die Tageszunahmen der Kälber. Weiter gilt es eine mögliche Verfettung der Mutterkühe im Auge zu behalten.
Achtung: Beachten Sie bei der Wahl des Proteinausgleichsfutters die Label-Bestimmungen. So ist sowohl bei Mutterkuh Schweiz als auch bei IP-Suisse die Verfütterung von Soja verboten.
- Um bei den Beefs optimale Schlachterlöse zu erreichen, gilt es diese im Kälberschlupf mit genügend Energie, Protein und Mineralstoffen zu versorgen. Denn es soll vermieden werden, dass aufgrund einer angepassten Kuh-Fütterung die Erträge in der Beef-Vermarktung rückläufig werden.
Die Ration kann auch betriebsindividuell mit Ackerbaunebenprodukte ergänzt werden. Alternative Rationen gilt es aber immer vorgängig mit einem Fütterungsexperten / einer Fütterungsexpertin zu besprechen. Eine Futterumstellung sollte zudem immer langsam erfolgen, damit sich die Pansenmikroben an die neue Fütterung gewöhnen können.
Bei Bedarf einer Fütterungsberatung dürfen Sie das LZ Liebegg gerne kontaktieren.
Nachfolgend sind zwei Praxisbeispiele von möglichen Rationszusammensetzungen aufgeführt.