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Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg
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Shamonda- und West-Nil-Virus

Zwei Viruserkrankungen treffen erstmals Pferde in der Schweiz

Seit Ende Juli 2026 wurden in verschiedenen Regionen der Schweiz Pferde mit neurologischen Symptomen gemeldet. Ende August wurde in der Schweiz das Shamonda-Virus, das zuvor bereits beim Rind nachgewiesen wurde, im Hirn von sechs verstorbenen Pferden nachgewiesen. Fast zeitgleich wurde ein Fall vom West-Nil-Virus bei einem Pferd gemeldet. Beide Viren wurden erstmals bei Pferden in der Schweiz nachgewiesen.

West-Nil-Virus (WNV)

Das West-Nil-Fieber ist eine zu überwachende Tierseuche und daher meldepflichtig. Das für die Krankheit verantwortliche West-Nil-Virus gehört zur Gruppe der Flaviviren und wird von Stechmücken übertragen. Es kommt hauptsächlich bei Wildvögeln vor. Der Virus kann durch die Stechmücke auch auf Menschen und Säugetiere übertragen werden. Weil keine direkte Virusübertragung nachgewiesen ist, gelten Menschen und Säugetiere als Fehlwirte. Nachgewiesen wird das Virus mittels mehrstufiger Diagnostik des Blutserums.

Betroffene Pferde zeigen meist keine oder milde Symptome mit Fieber, Schwäche und Fressunlust. Bei einigen Tieren kommt es zu schweren neurologischen Verläufen. Bei diesen Pferden können Muskelzittern, ein unkoordinierter Gang bis hin zum Umfallen und Festliegen sowie Gesichtsasymmetrien und Verhaltensänderungen beobachtet werden.

Das West-Nil-Virus stammt ursprünglich aus Afrika und konnte sich durch die Klimaerwärmung in Nordamerika und Europa verbreiten. Aufgrund von zahlreichen Fällen bei Pferden und Menschen in verschiedenen europäischen Ländern war das Auftreten in der Schweiz zu erwarten. Im Jahr 2022 wurde das West-Nil-Virus bei einheimischen Mücken im Tessin nachgewiesen und im Jahr 2025 kam es dort zum ersten lokal übertragenen Fall beim Menschen.

Für Pferde stehen in der Schweiz Impfstoffe gegen das West-Nil-Virus zur Verfügung, die Pferde vor schweren Krankheitsverläufen schützen können. Das Impfschema sieht eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen im Abstand von 3 bis 5 Wochen sowie anschliessend jährlicher Auffrischung vor. Die Auffrischungsimpfung sollte jeweils im Frühjahr vor Beginn der Mückensaison erfolgen.

Shamonda-Virus (SHAV)

Bis anhin wurden in Europa noch nie Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe, zu der das Shamonda-Virus gehört, nachgewiesen. Neu entdeckt wurde das Shamonda-Virus beim Rindvieh aufgrund diverser fieberhafter Durchfallerkrankungen mit massivem Leistungsrückgang. Einige der zur gleichen Zeit gehäuft auftretenden Fälle von Pferden mit neurologischen Störungen konnten Ende Augst ebenfalls auf das Shamonda-Virus zurückgeführt werden.

Verdächtige Pferde wirken teilnahmslos und zeigen neurologische Ausfälle mit Koordinationsstörungen, Muskelzucken und Überempfindlichkeit gegen Berührungen und äussere Reize. Ebenfalls wurde von unwillkürlichen Augenbewegungen und einer schiefen Kopfhaltung berichtet. Während ein Teil der Pferde einen milden Verlauf zeigt, erfordern schwere neurologische Symptome gar die Euthanasie.

Im Gegensatz zum Rind ist der Virusnachweis beim Pferd nur im Hirnmaterial möglich, wodurch ein Nachweis erst nach dem Tod möglich ist. Das Shamonda-Virus scheint von Gnitzen übertragen zu werden. Da das Virus erst kürzlich entdeckt wurde, sind noch wenig gesicherte Informationen vorhanden. Die Vetsuisse-Fakultät und das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) arbeiten intensiv daran, die Krankheit besser zu erforschen.

Pferde mit neurologischen Auffälligkeiten sollten umgehend dem Tierarzt oder der Tierärztin vorgestellt werden. Betroffene Pferde können aktuell nur symptomatisch behandelt werden. Weil das Shamonda-Virus nicht am lebenden Tier nachgewiesen werden kann, ist der Ausschluss von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wichtig. Dazu gehören das West-Nil-Virus, das Equine Herpesvirus (EHV) und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Die Vektorsaison gibt den Takt an

Da sowohl das Shamonda-Virus als auch das West-Nil-Virus von Insekten übertragen wird, senkt ein konsequenter Mückenschutz daher die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung. Die höchste Aktivität der Gnitzen wird zwischen Juli und Oktober beobachtet. Mit den kühleren Temperaturen neigt sich die Vektorsaison also dem Ende zu und die Meldungen von symptomatischen Pferden flachen ab. Offen bleibt, wie sich die Situation im nächsten Frühling entwickeln wird.

Autorin

Achermann Luisa

Tierhaltung

Luisa Achermann
062 855 86 09 luisa.achermann@ag.ch
Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg
Liebegg 1
5722 Gränichen, CH
062 855 86 55
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