Der 15. Juni steht vor der Türe und das schöne Wetter klopft an – dem Mähen der Ökoflächen im Talgebiet steht nichts mehr im Weg. Das Futter von diesen Flächen, das sogenannte Ökoheu, ist nicht in allen Pferdeställen gleich beliebt. Während für einige nur Ökoheu in Frage kommt, weigern sich andere vehement dagegen. Zeit also, das Ökoheu etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.
Was ist Ökoheu?
Als Ökoheu wird das Heu bezeichnet, das auf Biodiversitätsförderflächen (BFF) produziert wird. BFF sind landwirtschaftlich genutzte Flächen, deren Hauptziel die Erhaltung und Förderung der Biodiversität ist. Auf Betrieben, welche Direktzahlungen beziehen, müssen mindestens 7 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche als BFF bewirtschaftet werden. Die Bewirtschaftung dieser Flächen unterliegt strengen Auflagen, die das darauf produzierte Heu beeinflussen. Im Talgebiet darf frühestens am 15. Juni gemäht werden. Extensive Wiesen dürfen nicht gedüngt werden und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist mit einigen Ausnahmen bei der Einzelstockbehandlung von Problempflanzen verboten.
Darf Ökoheu verfüttert werden?
Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Heu ist ein Naturprodukt, dessen Qualität von vielen Faktoren abhängt. Durch den späten Schnittzeitpunkt hat Ökoheu einen hohen Rohfasergehalt bei moderatem Energiegehalt – ideal für leichtfuttrige Pferde mit einem tiefen Energiebedarf. Das trifft jedoch nicht in jedem Fall zu. Bei schlechten Wetterbedingungen kann sich der Schnittzeitpunkt bis in den Juli hineinziehen, wodurch das Futter überständig wird. Dadurch steigt der Rohfasergehalt an, die Verdaulichkeit nimmt ab und die Belastung mit Pilzsporen und aeroben Keimen steigt an. Solches Futter belastet die Verdauung und die Atemwege und ist zur Verfütterung deshalb nicht mehr geeignet.
Die extensive Bewirtschaftung schafft artenreiche Lebensräume mit vielen extensiven Pflanzen. Leider fühlen sich hier auch Giftpflanzen wie bspw. die Herbstzeitlose sehr wohl. Um Giftpflanzen im Heu auszuschliessen, muss der Wiesenbestand vor dem Schnitt sorgfältig kontrolliert werden.
Frei von Giftpflanzen und unter optimalen Bedingungen geerntet ist Ökoheu zur Verfütterung an Pferde gut geeignet. Eine Raufutteranalyse inkl. Mikrobiologie (Schimmelpilze und aerobe Keime) gibt Aufschluss über die hygienische Qualität des Futters und liefert damit eine sichere Entscheidungsgrundlage, ob das Ökoheu grundsätzlich verfüttert werden kann. Falls ja, kann es – basierend auf den Nährstoffgehalten und entsprechend dem Bedarf der Pferde – in die Rationenplanung aufgenommen werden. Für Pferde mit höherem Energiebedarf wie bspw. Jungpferde, Zuchtstuten, Pferde im Leistungssport oder ältere Pferde ist ein früher geschnittenes Heu mit höherem Energie- und Proteingehalt zu empfehlen. Welches Heu passt und wieviel Mineral- und allenfalls Ergänzungsfutter ein Pferd benötigt, ergibt sich aus der Rationenberechnung.